Seit fünf Tagen schon und die fünfte Nacht hat begonnen. An dem Vormittag hatte ich ihn nach draußen gelassen und er ist nicht mehr heimgekommen.
Zuerst habe ich mir keine Sorgen gemacht. Am Abend dachte ich: Gut, ein junger Kater in einer Sommernacht …
Aber er war nie nachts draußen. Er blieb daheim und wollte auch gar nicht raus. Er hat brav die Nacht im Wohnzimmer verbracht und gewartet, wenn Ninja und ich am nächsten Morgen hinunter kamen und hat sich erst einmal von Kopf bis Fuß durchkraulen lassen.
Es musste ihm etwas zugestoßen sein. Paulchen kam immer zwischendurch nach Hause, oft mit einer Maus im Gepäck.
In der Nacht bin ich nach draußen in den Garten und habe geschaut, ob er da ist. Früh am Morgen habe ich den Garten abgesucht, gerufen, gelauscht. Nichts war von Paulchen zu sehen und zu hören.
Er ist sehr anhänglich, verschmust und war nie sehr weit weg. Meist kam er schon, wenn er nur die Terrassentür gehört hat. Er fing im Garten Mäuse, Käfer, Falter und hatte eine Menge Spaß. Nebenan sind weitere Wiesen, getrennt von Baumreihen, mit Gestrüpp, in dem er sich herrlich verstecken konnte. Dort raschelte es immer und Eichhörnchen und anderes Getier liefen dort herum.
Nach dem Frühstück ging ich mit Ninja auf die Suche. An den Scheunen habe ich alles abgesucht, gerufen und gelauscht. Durchs Dorf bin ich gelaufen zu der Straße hinter den Wiesen. Überall standen Garagen offen und die drei Frauen, die ich gefragt habe, hatten ihn nicht gesehen. Sie kannten ihn gar nicht. Ich bin über die Wiesen zurück und habe bei den Holzstapeln gesucht, in die Bäume geschaut, bei meiner Vermieterin bin ich wieder über den Zaun zurück auf meine Straße. Auch sie hat ihn nie bei sich gesehen. Paulchen ging allenfalls zur Nachbarin, aber nie weiter. Kam ein Auto die Straße herunter, war er schnell wieder im Garten. Überfahren? Unwahrscheinlich.
Trotzdem suchte ich die Straße ab und ging über die Wiese zurück – trotz Donnergrollen. Am Nachmittag zog es mich wieder hinaus und ich ging die Wiese hinter meinem Garten hinunter. Eine Spur zog sich durch das hohe Gras. Hier sind sicher einige Katzen gelaufen. Ich ekelte mich vor den Zecken, die sich sicherlich an meine Kleidung setzen würden. Ich schaute, ich rief, ich lauschte. Kreuz und quer ging ich.
Ich hörte sein Miauen, überall, auch Zuhause. Oft bin ich raus in den Garten, weil ich glaubte, ihn zu hören. Mein Hirn spielte mir einen Streich. Ich werde Paulchens Miauen wohl nie mehr hören.
Was passiert ist, wo er geblieben ist, wird ein Rätsel bleiben. Wilde Spekulationen bringen mich nicht weiter.
Es bleibt eine unendliche Traurigkeit, immer wieder heiße Tränen, die nicht versiegen wollen. Ein Hund, der nicht versteht, wo sein Spielkamerad bleibt. Der genauso sucht wie ich, der mich in den Garten zur Scheune führt, dahin, wo die Katzen vom Zaun unter das Dach springen. Ninja schaute hoch, dann schaute sie mich an, schaute wieder hoch und zurück zu mir. Nein, das konnte Ninja nicht verstehen und lag den ganzen Abend auf der Couch und schaute nach draußen. Diesen Abend und auch die weiteren Abende.
Hoffnung? Nein, die habe ich nicht. Manchmal glimmt ein Hoffnungsfunke auf und ich wünsche mir, dass Paulchen sich wieder in meine Arme stürzt und sich beschmusen lässt.
Und dann fließen wieder die Tränen und ich habe nicht das Gefühl, dass er noch lebt.
Es bleibt die Ungewissheit und die Trauer, dass wir so wenig Zeit miteinander hatten.
In diesem Monat ist Paulchen ein Jahr alt geworden. Er hat sehr intensiv gelebt und eine Menge Spaß gehabt. Mehr sollte nicht sein …






Och Vera, da heule ich gleich mit …
Ob er doch noch auftaucht??? Ich wünsche es Dir und Ninja.
Alles Liebe
Ellen
Ich hoffe ja immer noch…Liebe Grüße Bea
Das tut mir aber sehr Leid. Ob er nicht doch wieder auftaucht?? Noch besteht doch ein bisschen Hoffnung …
Also hier wird ja wohl hoffentlich nicht aufgegeben, oder?
Ist irgendeiner deiner Nachbarn in Urlaub gefahren?
Vielleicht ist er irgendwo in einem Keller oder einer Garage?!
Nee Vera – so nicht – nicht nach 5 Tagen schon den Teufel an die Wand malen!!!
Ich drück dich und meine Daumen – so fest es geht!
LG bigi
Die Hoffnung stirbt zuletzt. Und ich renne ständig nach draußen, weil ich meine, ihn zu hören. (Hoffentlich werde ich nicht bekloppt)
Danke für Eure guten Wünsche und Gedanken!
Das ist ja schrecklich, liebe Vera. Ich kann mir sehr gut vorstellen, wie du dich fühlst. Denn ich schaue auch immer abends nach meiner Lisa und gehe nicht eher schlafen, bis sie im Haus ist.
Vielleicht hat jemand Paulchen mit zu sich nach Hause genommen. Das wäre auch eine Möglichkeit. Ich bin mir sicher, dass Paulchen wieder den Weg zu dir zurück findet. Gib nur die Hoffnung noch nicht auf.
Ich drücke dich ganz fest.
Liebe Grüße aus dem sonnigen Italien in den schönen Bayerischen Wald
Martina