Roman von Gunter Haug
Aus dem Inhalt:
Als Säugling, gerade sechs Wochen alt, wurde sie im Sommer von ihrer Mutter getrennt, der sie erst Jahrzehnte später zum ersten Mal bewusst begegnete. Sie wuchs als ungeliebtes Stiefkind auf einem Bauernhof in Franken auf. Und doch: Selten nahmen so viele Menschen an einer Beerdigung in Rothenburg ob der Tauber teil wie bei der von Maria Staudacher am letzten Tag des Jahres 1965.
Marias Leben war alles andere als beschaulich. Neun Kinder hat sie zur Welt gebracht, das erste schon im Jahr nach seiner Geburt verloren, die anderen in widrigen Zeiten großgezogen. Trotz aller Entbehrungen gewährte sie im Zweiten Weltkrieg Flüchtlingen Unterschlupf und gab weiteren Kindern in ihrem Haus eine Heimat. Nach 1945 galt sie als weise Frau, zu der die Menschen aus der Umgebung kamen, um sie um Rat zu fragen. Und doch: als Ende der fünfziger Jahre die Mutter und kurz darauf der Vater starb, fehlte ihr Name auf den Todesanzeigen. „Gerade so, als hätte es mich nie gegeben. Gehöre ich denn zu niemanden?“
Die gute alte Zeit. Sicher nicht so stressig und reizüberflutet wie heute. Aber hart war das Leben. In der Zeit hätte ich mich sicher nicht wohl gefühlt.
Sehr anschaulich geschrieben, gefällt mir gut. „Niemands Mutter“ werde ich mir auch noch besorgen.




