Rasenmähen ist angesagt. Ich muss, ich muss, ich muss. Der Rasen ist so hoch, aber meine Lust zum Mähen sehr niedrig.
Wie gut, dass mein Vermieterjunge gerade eine Rasenmäh-Phase hat. Ununterbrochen möchte er mähen. Da kann er sich auf meiner Wiese mal so richtig austoben.
Obwohl ich ein schlechtes Gewissen habe. Er ist doch noch soo klein mit seinen acht Jahren. Aber voller Tatendrang. Daran sollte ich mir mal ein Beispiel nehmen.
Also kommt er angedüst mit dem Ungetüm von Mäher. Während ich fast immer den Schneckengang benutze – weil ich sonst ständig gegen Zäune, Bäume und meine Steinmauer donnere (die das sehr übel nimmt und mit Steinen nach mir wirft), nimmt der kleine Franzi den Turbo und düst durch die Landschaft. Zwischendurch erklärt er mir mit ernstem Gesicht, dass man nicht den schnellen Gang nehmen soll. Aha. Und warum nimmt er ihn dann? Steppke grinst frech und zuckt mit den Schultern.
Auf geht’s – weiter. Kreuz und quer. Mein ästethisches Empfinden schicke ich mit meinem Perfektionismus derweil in Urlaub. Nicht schön, aber zweckmäßig wird mein Rasen gemäht. Nein, ich will mal nicht so sein. Er macht es klasse für sein Alter. Und eine bessere Figur als ich hinter dem Mäher macht er auch.
Zwischendurch erklärt er mir wichtige Sachen, was man beim Rasenmähen beachten sollte. Ich nicke pflichtschuldigst, obwohl ich nicht alles verstehe. Nicht weil ich zu dumm bin: ich verstehe seinen Dialekt nicht immer und grinse mir eins.
An besonders brisanten Stellen übernehme ich das Ruder … äh … den Mäher und den Fangkorb muss ich leider auch ausleeren. Er müht sich sehr, es ist ihm zuwider, sich dabei helfen zu lassen. Aber er schafft es – leider - noch nicht. Das Schlimmste am Rasenmähen muss ich doch noch selbst machen. Aber wir sind ein gutes Team. Ratzfatz sind wir fertig und stolz und wichtig fährt der Kleine vondannen.
Bis zum nächsten Mal.
Eine kleine Lehre in Sachen Perfektionismus
7. Juli 2008 von Vera




