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Reisebericht von Hape Kerkeling

Aus dem Inhalt:

„Was um Himmels willen, hat mich eigentlich dazu getrieben, mich auf diese Wanderung zu begeben? Ich könnte jetzt zu Hause auf meinem Lieblingssofa liegen. Stattdessen beginnt hier und heute meine persönliche Pilgerreise auf dem Jakobsweg …“
Es ist ein nebelverhangener Junimorgen, als Hape Kerkeling, bekennende Couch potato, endgültig seinen inneren Schweinehund besiegt und voller Respekt und Unternehmungslust in Saint-Jean-Pied-de-Port aufbricht. Sechs Wochen Fußmarsch auf dem legendären Camino Francés liegen vor ihm, allein mit sich und seinem elf Kilo schweren knallroten Rucksack: über die schneebedeckten Gipfel der Pyrenäen, quer durch das Baskenland, Navarra und die Rioja, Kastilien-León bis nach Galicien zum Grab des Apostels Jakob, seit über 1000 Jahren Ziel für Gläubige aus der ganzen Welt.
Mit Humor und Blick für das Besondere erschließt Hape Kerkeling sich die fremden Regionen, lernt er die Einheimischen ebenso wie moderne Pilger und ihre Rituale und Eigenarten kennen. Er schildert den Reiz jeder einzelnen Etappe, erlebt Einsamkeit und Stille, Erschöpfung und Zweifel, aber auch Hilfsbereitschaft, Freundschaften und Momente, die für alle Entbehrungen entlohnen – und eine ganz eigene, überraschende Nähe zu Gott.

Beim Lesen wird mir schon heiß und mir tun die Füße weh. Hut ab vor allen Menschen, die diese Strapaze auf sich nehmen. Zeitweise wäre ich gerne dabei gewesen, aber größtenteils reicht es mir, über die Reise zu lesen. Humorvoll geschrieben, manchmal muss ich laut lachen. Sehr beeindruckend und super zu lesen. Schade, dass es keinen zweiten Teil gibt.

3.30 Uhr: Die Nacht ist vorbei. Mein Hund quietscht und ich quäle mich aus dem Bett und taste mich die Treppe hinunter. Ich mache kein Licht, weil es draußen schon hell wird und ich genug sehe. Bis ins Wohnzimmer hinein. Dort ramme ich mir den Wäscheständer in den Bauch, den ich am Abend von der Terrasse hereingeholt hatte. Den hatte ich glatt vergessen. Hund geht nach draußen. Aber nicht um wie erwartet ein dringendes Geschäft zu erledigen. Nein, Ninja läuft mal hier, mal dort, irgendwie orientierungslos. Nachts kann ich natürlich nicht so herumbrüllen und mein Flüstern überhört sie geflissentlich. Also nichts wie hinterher. Sie kommt auch willig mit. Hm, so dringend war es dann doch nicht.

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Mitleser

Mitesser kennt ein Jeder. Aber kennt Ihr auch den Mitleser?
Der gemeine Mitleser hält sich gerne einmal im Garten auf und stört die Menschen beim Lesen oder Schreiben und läuft zuweilen quer über Schreibblöcke.
Ob er wirklich lesen kann, das wissen wir nicht. Seinen Namen erhielt er dadurch, dass er sich immer nah am geschriebenen Wort aufhält.

Woher wissen sie so genau, wann ich im Garten sitze und gemütlich einen Cappuccino trinke?
Kaum sitze ich fünf Minuten draußen – nach tagelangem kühlen Wetter – geht es auch schon los: Heu wird auf der übernächsten Wiese eingeholt und gleich zu Ballen gepresst ausgeworfen. Lärm und Staub. Unnötig zu erwähnen, dass ich gerade Wäsche zum Trocknen auf die Terrasse gestellt habe?
Ich beschließe, das jetzt einmal auszusitzen. Es kann nicht allzu lange dauern, weil ein zweiter Bulldog direkt die fertigen Ballen abtransportiert. Das ist doch schon einmal was. Einziger Haken: Er stinkt!

Aber ich stehe das jetzt tapfer durch. Denn morgen soll es wieder regnen. :-(

Ich WILL jetzt draußen sitzen.

Komm, gib Bussi

Ninja busselt Angie

Herbst im Sommer

Der heutige Sommertag fühlt sich für mich an wie ein Tag Anfang September. Schlappe 13 Grad Celsius, Wind und Regen zwingen mich, im Haus zu bleiben und Gartenarbeit Gartenarbeit sein zu lassen.
Hundert Dinge möchte ich tun – aber mir ist kalt. Darum heize ich meinen Holzofen ein, zünde ein paar Teelichter an, trinke einen heißen Tee und esse die Reste der Tafel Schokolade von gestern.
Während mein Hund sich zu mir in den Sessel kuschelt, knistert das Holz im Feuer und ich lese weiter in meinem Buch. Ach wie gemütlich. Von mir aus kann es morgen noch einmal Herbst sein.

Neue Kontakte

An mein Jahreshoroskop erinnere ich mich nur schwach, weil ich dachte: So ein Schwachsinn. Stand doch darin, dass ich im Laufe des ersten halben Jahres Kontakte aufnehmen würde zu Menschen, zu denen ich lange keinen Kontakt hatte. Damals dachte ich: wer soll das denn sein?
Das kann ich Euch sagen. Einmal ist es meine jüngste Schwester, mit der ich acht Jahre keinen Kontakt hatte. Dann eine Schulfreundin, die ich knapp 30 Jahre nicht gesehen habe. Und ein Schulfreund, den ich vor 35 Jahren das letzte Mal gesehen und gehört habe. Und noch jemand, der wieder einmal Unruhe in mein behagliches Leben bringt. Aber den lassen wir mal außen vor.
Das ist unglaublich oder? Im Moment schreiben wir ellenlange E-Mails. Ich bin echt geschafft, weil das anstrengend und zeitraubend ist.
Nun glaube ich nicht an Horoskope. Alles nur Zufall. Aber ich glaube daran, dass sich alle sieben Jahre im Leben eines Menschen etwas verändert. Es ist also wieder soweit. Ich werde 49. Na, dann schaue ich mal, was aus den Kontakten wird und was sonst noch so in mein Leben strömt. (Im Moment ist es Dauerregen :-( )

Niemands Tochter

Roman von Gunter Haug

Aus dem Inhalt:

Als Säugling, gerade sechs Wochen alt, wurde sie im Sommer von ihrer Mutter getrennt, der sie erst Jahrzehnte später zum ersten Mal bewusst begegnete. Sie wuchs als ungeliebtes Stiefkind auf einem Bauernhof in Franken auf. Und doch: Selten nahmen so viele Menschen an einer Beerdigung in Rothenburg ob der Tauber teil wie bei der von Maria Staudacher am letzten Tag des Jahres 1965.
Marias Leben war alles andere als beschaulich. Neun Kinder hat sie zur Welt gebracht, das erste schon im Jahr nach seiner Geburt verloren, die anderen in widrigen Zeiten großgezogen. Trotz aller Entbehrungen gewährte sie im Zweiten Weltkrieg Flüchtlingen Unterschlupf und gab weiteren Kindern in ihrem Haus eine Heimat. Nach 1945 galt sie als weise Frau, zu der die Menschen aus der Umgebung kamen, um sie um Rat zu fragen. Und doch: als Ende der fünfziger Jahre die Mutter und kurz darauf der Vater starb, fehlte ihr Name auf den Todesanzeigen. „Gerade so, als hätte es mich nie gegeben. Gehöre ich denn zu niemanden?“

Die gute alte Zeit. Sicher nicht so stressig und reizüberflutet wie heute. Aber hart war das Leben. In der Zeit hätte ich mich sicher nicht wohl gefühlt.
Sehr anschaulich geschrieben, gefällt mir gut. „Niemands Mutter“ werde ich mir auch noch besorgen.

Temperatursturz

Gestern waren es heiße 29 Grad, heute nur noch 15 Grad und Dauerregen. Warum muss es immer gleich so extrem sein? Wo ist mein Fleece-Pullover?? Ich fröstel vor mich hin und bin müde. Müüüüde! Es ist dunkel und auf meiner schwarzen Tastatur kann ich kaum die Schriftzeichen erkennen. Ideal zum Blindschreiben lernen.
Ich will aber nicht blind schreiben. Ich halte mich an den Tasten fest, damit ich vor Müdigkeit nicht vom Stuhl falle. Das N ist auch schon ganz abgeschubbert.
Ich hatte heute soviel vor, viele unerledigte Dinge warten auf mich. Sie werden wohl bis morgen warten müssen. Auch mein obligatorischer Nachmittags-Cappuccino vertreibt keine Müdigkeit. Oder wirkt er erst später? Vielleicht ereilt mich am Abend ein Schub und ich hole alles nach und auf. Wenn nicht: Morgen ist auch noch ein Tag. Danach noch einer, und noch einer … Die Arbeit läuft nicht weg.

Rasenmähen ist angesagt. Ich muss, ich muss, ich muss. Der Rasen ist so hoch, aber meine Lust zum Mähen sehr niedrig.
Wie gut, dass mein Vermieterjunge gerade eine Rasenmäh-Phase hat. Ununterbrochen möchte er mähen. Da kann er sich auf meiner Wiese mal so richtig austoben.
Obwohl ich ein schlechtes Gewissen habe. Er ist doch noch soo klein mit seinen acht Jahren. Aber voller Tatendrang. Daran sollte ich mir mal ein Beispiel nehmen.
Also kommt er angedüst mit dem Ungetüm von Mäher. Während ich fast immer den Schneckengang benutze – weil ich sonst ständig gegen Zäune, Bäume und meine Steinmauer donnere (die das sehr übel nimmt und mit Steinen nach mir wirft), nimmt der kleine Franzi den Turbo und düst durch die Landschaft. Zwischendurch erklärt er mir mit ernstem Gesicht, dass man nicht den schnellen Gang nehmen soll. Aha. Und warum nimmt er ihn dann? Steppke grinst frech und zuckt mit den Schultern.
Auf geht’s – weiter. Kreuz und quer. Mein ästethisches Empfinden schicke ich mit meinem Perfektionismus derweil in Urlaub. Nicht schön, aber zweckmäßig wird mein Rasen gemäht. Nein, ich will mal nicht so sein. Er macht es klasse für sein Alter. Und eine bessere Figur als ich hinter dem Mäher macht er auch.
Zwischendurch erklärt er mir wichtige Sachen, was man beim Rasenmähen beachten sollte. Ich nicke pflichtschuldigst, obwohl ich nicht alles verstehe. Nicht weil ich zu dumm bin: ich verstehe seinen Dialekt nicht immer und grinse mir eins.
An besonders brisanten Stellen übernehme ich das Ruder … äh … den Mäher und den Fangkorb muss ich leider auch ausleeren. Er müht sich sehr, es ist ihm zuwider, sich dabei helfen zu lassen. Aber er schafft es – leider - noch nicht. Das Schlimmste am Rasenmähen muss ich doch noch selbst machen. Aber wir sind ein gutes Team. Ratzfatz sind wir fertig und stolz und wichtig fährt der Kleine vondannen.
Bis zum nächsten Mal.

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